Mehr als Begleitpflanzen
Was leisten Untersaaten und Frühblüher im Raps?

Im Rahmen des Demobetriebs Gewässerschutz wurde auf einer Rapsfläche des Betriebs Jörg Rabenstein bei Ergersheim untersucht, welchen Beitrag Untersaaten und Frühblüher im Rapsanbau leisten können. Ziel war es, Mischungen und Strategien unter Praxisbedingungen zu vergleichen und deren Potenzial hinsichtlich Schädlingsregulierung, Bodenverbesserung und Bestandsentwicklung zu bewerten.
Das Interesse an Untersaaten im Raps steigt. Anforderungen im Pflanzenschutz, Schädlingsdruck und der Wunsch nach robusteren Anbausystemen rücken alternative Ansätze in den Fokus. Die Erwartungen reichen von einer besseren Schädlingsregulierung über eine reduzierte Herbizidabhängigkeit bis zu Vorteilen für Bodenstruktur und Nährstoffhaushalt.
| Aspekt | Beweggründe (Vorteile) | Hürden (Nachteile / Herausforderungen) |
|---|---|---|
| Bodenschutz & Wasser | bessere Bodenbedeckung im Herbst; weniger Erosion | Konkurrenz um Wasser bei Trockenheit |
| Humus & Klima | zusätzlicher Biomasseeintrag | langsamere N-Freisetzung; schwankende N-Nachlieferung |
| Kosten & Arbeit | N-Düngung reduzierbar (?); weniger Pflanzenschutz | zusätzliche Saatgutkosten; Etablierung! Zeitpunkt der Aussaat |
| Bodenleben | Förderung von Bodenleben & Mikroorganismen | Gefahr von Mäuse‑ oder Schneckenbefall |
| System & Praxis | ganzheitlicher Ansatz mit Zwischenfrüchten; Beitrag zu konservierender Bodenbearbeitung | Erfordert Umdenken in Fruchtfolge & Pflanzenschutz |
Wie groß sind diese Effekte tatsächlich unter Praxisbedingungen?

Der Schädling findet den Rapsbestand schlechter oder später, weil die charakteristischen Rapsgerüche durch die Begleitpflanzen „maskiert“ werden. Eine direkte Bekämpfung findet dabei nicht statt. Vielmehr soll der Schädlingszuflug verzögert und der Befallsdruck reduziert werden.
Diese Pflanzen gehen eine Symbiose mit Knöllchenbakterien ein und können dadurch Luftstickstoff binden. Gleichzeitig sorgen sie für zusätzliche Durchwurzelung und Biomassebildung. Ziel ist:
- Verbesserung der Bodenstruktur
- Förderung des Bodenlebens
- zusätzliche Stickstoffbindung
- bessere Bodenbedeckung
- Unterdrückung von Unkräutern
Insbesondere Alexandrinerklee und Purpurwicke bilden bei guter Entwicklung dichte Pflanzenbestände zwischen den Rapspflanzen. Dadurch wird zusätzlich die Beweglichkeit des Rapserdflohs innerhalb des Bestandes eingeschränkt.
| Produkt | Bestandteile | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Freudenberger Pro Green „Schädlingsprotect“ | Buchweizen Öllein Bockshornklee Gartenkresse Weißklee | Schädlingsvergrämung und Ablenkung |
| Holtmann Raps Pro PC2 HS | Rotwicke Alexandrinerklee | Stickstoffbindung, Humusaufbau und Bodenbedeckung |
| DSV Brassica Pro | Serradella Öllein Blaue Lupine Perserklee Alexandrinerklee Ramtillkraut | Förderung von Bodenleben und Nährstoffdynamik. Der Leguminosenanteil liegt bei über 75 % |
| LG Assist+ | Purpurwicke Alexandrinerklee Bockshornklee | Schädlingsvergrämung, Stickstofffixierung und Bodenbedeckung |
Im Versuch wurden sowohl kommerzielle Fertigmischungen als auch einfachere Varianten betrachtet.
Zusätzlich wurden Varianten mit reinem Alexandrinerklee sowie eine reine Rapssaat ohne Begleitpflanzen betrachtet. Solche Eigenmischungen bieten den Vorteil geringerer Saatgutkosten und einer flexiblen Anpassung an betriebliche Ziele.
Dadurch kann der Druck auf die noch geschlossenen Rapsknospen sinken. Gerade dieser Effekt war im Versuch optisch gut sichtbar. Die früh blühenden Pflanzen wurden deutlich vor dem Raps beflogen und stellten damit den interessantesten Ansatz zur biologischen Schädlingslenkung im gesamten Versuch dar. Herbizide bleiben eine Herausforderung.
Versuche der Fachhochschule Südwestfalen zeigen, dass zahlreiche Beisaatkomponenten empfindlich auf bestimmte Herbizidwirkstoffe reagieren. Besonders problematisch erwiesen sich Anwendungen mit Belkar, Synero oder Runway. Dagegen wurden Gräserherbizide wie Agil-S oder Select meist gut vertragen. Metazachlor-haltige Produkte waren im Vorauflauf häufig ebenfalls vergleichsweise verträglich.
Auch im Versuch zeigte sich, dass die Herbizidstrategie bereits vor der Auswahl der Beisaat festgelegt werden sollte. Nicht jede Mischung ist mit jeder Pflanzenschutzstrategie vereinbar.
Fazit: Viel Potenzial, aber hohe Ansprüche
Genau hier liegen die größten Herausforderungen:
- früher Saatzeitpunkt
- ausreichende Wasserversorgung
- passende Saattechnik
- angepasste Herbizidstrategie
- geringe Konkurrenz zum Raps
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Aussaat der Begleitpflanzen bereits vor oder zeitgleich mit der Rapssaat häufig erfolgversprechender ist als eine spätere Etablierung.
Während die klassischen Untersaaten insgesamt eher moderate Effekte zeigten, hinterließ insbesondere die Frühblühervariante einen überzeugenden Eindruck. Der Ansatz, Rapsglanzkäfer gezielt von den empfindlichen Rapsknospen abzulenken, war im Bestand deutlich erkennbar und erscheint für die Praxis besonders interessant. Untersaaten sind damit kein Selbstläufer und ersetzen weder Pflanzenschutz noch gutes Bestandesmanagement. Richtig eingesetzt können sie jedoch ein zusätzlicher Baustein für widerstandsfähigere und vielfältigere Rapsanbausysteme sein.
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