Herausforderungen für die heimischen Imker

2 Männer an einem BienenstockZoombild vorhanden

Ulrich Bauer und Hermann Willfarth am Bienenstock, © AELF FU

Wildlebensraumberater Hermann Willfarth vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim besuchte den Imkerverein Höchstadt und Umgebung e.V. und machte sich ein Bild von den Themen, die Imker aktuell bewegen.

Es war einer der heißen Sommertage im August, überall summte und brummte es auf dem 4000m² großen Gelände des Imkervereins Höchstadt und Umgebung e.V. im Südosten von Höchstadt. Nicht nur die Bienenkästen der heimischen Honigbiene stehen hier, es tummeln sich neben Schmetterlingen, Schwebfliegen und anderen Insekten auch Wildbienen, die im sandigen Boden rund um das Vereinshaus ihre Nester gebaut haben. Auch ein Insektenhotel darf auf so einem Gelände natürlich nicht fehlen.
Ulrich Bauer, aktives Vorstandsmitglied des Imkervereins begrüßte Wildlebensraumberater Hermann Willfarth. Aufgrund der Hitze fand unser Gespräch im kühlen Vereinshaus statt, einem großen Raum mit vielen Tischen und Sitzgelegenheiten, sowie zahlreichen Postern zum Thema Bienen und Honig und einer Urkunde, die bezeugt, dass der Verein bereits 130 Jahre alt ist. Ein großer Fernseher hängt an der Stirnwand, ein wichtiges Hilfsmittel für Präsentationen und Vorträge, die der Verein für seine rund 110 Mitglieder und Imkerfreunde der Region veranstaltet. Auch Schulklassen aus Höchstadt und Umgebung kommen immer wieder vorbei und lernen die Arbeiten der Imker mit ihren fleißigen Bienen kennen. Einige Schulen beherbergen selbst Bienenvölker, um die sich die Schüler und meist ein engagierter Lehrer/Lehrerin kümmern.

Neue Kennzeichnungspflicht bei Mischhonigen
Ulrich Bauer hat selbst 24 Bienenvölker, bezeichnet sich aber immer noch als Hobby- oder Freizeitimker, auch wenn die Völker durchaus viel Zeit in Anspruch nehmen – nicht nur zur Honigernte, die heuer bereits stattgefunden hat.“ Ab jetzt bereiten sich die Bienen auf den bevorstehenden Winter vor“, so Bauer. Er selbst hat dieses Jahr einen Großteil des Honigs in den Bienenstöcken gelassen. Zum einen, um den Bienen im Winter mehr eigene Nahrung zu überlassen und damit weniger zufüttern zu müssen, zum anderen aber auch, weil er und viele seiner Kollegen „mehr Honig haben als sie vermarkten können und ihn zum Teil im Verwandten- und Bekanntenkreis verschenken.“ Es gibt nicht genügend Kunden, die bereit sind für ein Glas Honig 7 Euro zu bezahlen, wenn sie im Supermarkt für den gleichen Preis die doppelte Menge bekommen. Damit können wir Imkerinnen und Imker nicht mithalten.“ Jedoch sind dies meist sogenannte Mischhonige aus unterschiedlichen Herkunftsländern aus der EU und aus Nicht-EU-Ländern. Bisher musste dieser Honig lediglich damit gekennzeichnet sein. Seit Juni nun gibt es eine neue Verordnung. Die bisherige Angabe „Honig aus EU- und Nicht EU-Ländern“ entfällt. Dafür müssen die Herkunftsländer benannt und auch der prozentuale Anteil in absteigender Reihenfolge aufgelistet werden. Somit wird für den Verbraucher transparent, woher der Honig stammt und ob es sich um Mischungen handelt. Mit dem Kauf von regionalem Honig, der nicht gemischt wird, sondern nur aus deutscher Produktion, meist sogar nur aus der Honigernte eines Imkers besteht, unterstützen die Kunden nicht nur die Imker, sondern indirekt über die Bienenvölker auch die Bestäubung der heimischen Pflanzenwelt und nicht zuletzt damit auch die Produktion der heimischen Obst- und Gemüsesorten.
Europäische Hornisse mit NestZoombild vorhanden

Die europäische Hornisse (vespa capro), steht in Deutschland unter Naturschutz, © Rudolf Vornehm

Asiatische Hornisse ist im Anflug
Neben dem Problem der Vermarktung nennt Ulrich Bauer zwei weitere Herausforderungen, mit denen die Imker zu kämpfen haben. Seit einigen Jahren verbreitet sich von Westen her die asiatische Hornisse (vespa velutina) auch in Deutschland. Diese invasive Art kam wahrscheinlich zu Beginn des neuen Jahrhunderts mit dem Schiff nach Frankreich, von wo sie sich seither stetig ausbreitet. Erst vor kurzem wurde in Langenzenn ein Nest entdeckt. „Die Verbreitung wird sich wohl nicht aufhalten lassen“, so Bauer. „Wir können nur versuchen, die Geschwindigkeit einzudämmen, indem wir die Nester finden und gleichzeitig daran forschen, welche Möglichkeiten es gibt, um diese Hornissenart zu bekämpfen.“ Die heimische europäische Hornisse (vespa capro) steht jedoch weiterhin unter Naturschutz! Sie ist auch deutlich weniger aggressiv und stellt für die Honigbiene keine Existenzgefährdung dar. Die etwas kleinere asiatische Hornisse – erkennbar auch an ihren gelben Beinen – kann der Honigbiene durchaus gefährlich werden. Gerade im Herbst, wenn sich andere Insekten zurückziehen oder sterben, brauchen die asiatischen Hornissen für ihre Sekundärnester mit mehreren Tausend Bewohnern noch eine beachtliche Menge Futter und fangen die Honigbienen vor den Bienenkästen im Flug ab. „Die Hornissen haben buchstäblich einen Mordshunger und können so die Bienenvölker erheblich dezimieren“, betont Ulrich Bauer.
Bienen fliegen am BienenstockZoombild vorhanden

Bienen am Flugloch des Bienenstocks, © AELF FU

„Ein Bienenvolk ohne Varroamilbe gibt es nicht“
„Ein Bienenvolk ohne Varroamilbe gibt es nicht“
Die dritte Herausforderung für die Imker besteht bereits seit ca. 40 Jahren und wird sie wohl auch weiterhin beschäftigen. Die Varroamilbe setzt den Bienen zu und kann ein Volk so sehr schwächen, dass es zu schwach ist, um den Winter zu überleben. Die Imker müssen daher ihre Völker regelmäßig gegen die Milbe behandeln. „Ein Volk ohne Milbe gibt es quasi nicht“, so Bauer. Daher ist es wichtig, dass jeder Imker seine Völker behandelt. Die Mittel dafür können über die Imkervereine teilweise vergünstigt bezogen werden. „Wer die Milbe nicht bekämpft, erweist anderen Imkern einen Bärendienst“, betont Ulrich Bauer. Denn geschwächte Völker werden von anderen Bienen heimgesucht. Dabei überträgt sich die Milbe auf die noch gesunden Bienen und diese tragen die Milbe in ihren eigenen Stock. Und der Kreislauf beginnt von vorne…
„Von daher wird uns die Varroamilbe noch lange erhalten bleiben. Es wird zwar an resistenten Arten geforscht, aber bis diese sich dann durchsetzen können, wird noch viel Zeit vergehen“, ist sich Ulrich Bauer sicher.
„Rettet die Bienen“ – so aktuell wie vor 7 Jahren

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ trat im August 2019 in Kraft. Es war das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Bayerns. Wer heute an „Rettet die Bienen‘“ denkt, hat meist sofort die Honigbiene im Kopf. Das Volksbegehren setzte sich jedoch für die Rettung der gesamten Insektenwelt ein. Die Biene war das populärste Insekt, mit dem man sich am besten identifizieren konnte. Für den Erhalt der Artenvielfalt sind jedoch alle Insekten wie auch die Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen etc. wichtig. Sie alle leisten in der Natur Erstaunliches und erhalten durch ihre Bestäubung von Millionen an Pflanzen die Vielfalt und damit auch das Wachstum an Obst- und Gemüse für uns Menschen. Umso wichtiger ist es auch heute noch, dass die Lebensräume für Insekten erhalten bleiben, Blühflächen geschaffen werden und heimische Stauden und Pflanzen für die Insekten zur Verfügung stehen. Letztendlich eine Win-Win-Situation für Mensch und Tier.

Fakten zur Honigbiene in Bayern

Laut dem Landesverband der Bayerischen Imker e.V. gibt es in Bayern rund 42.000 Imkerinnen und Imker mit insg. ca. 280.000 Bienenvölker. Jedes Volk hat eine Königin und im Sommer um die 50.000 Arbeitsbienen, das macht 1 Billion 400 Milliarden Bienen allein in Bayern. Um 1 Glas Honig (500g) zu sammeln, müssen die Bienen um die zwei Millionen Pflanzen anfliegen und bestäuben dabei zwischen 7 und 8 Millionen Blüten in einem Radius von ca. 50 km². Die Bestäubungsleistung der Honigbienen ist daher ein wichtiger Faktor für die Landwirtschaft und für die Ertragsleistung von Nutzpflanzen aller Art. Ulrich Bauer vom Imkerverein Höchstadt und Umgebung schätzt, dass durch die Bestäubungsleistung der Bienen den Landwirten ein Zusatzertrag von 10-15 % bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand beschert wird. Der wirtschaftliche Nutzen der Bienen mit ihrer Bestäubung der Pflanzenwelt ist enorm. Er wird allein für Deutschland auf mehr als 2 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Der deutsche Imkerbund e.V. nennt die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier neben dem Rind und dem Schwein in Deutschland.

Aufgaben der Wildlebensraumberater
Wildlebensraumberater an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beraten, koordinieren und unterstützen Landwirte, Jäger, Naturverbände und Kommunen bei Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen. Sie haben dabei sowohl die Interessen der Landwirte etc. als auch die Bedürfnisse der zu schützenden Tier- und Pflanzenarten im Blick. Der Wildlebensraumberater unterstützt Landwirte bei der Beantragung von Förderungen, um die Kulturlandschaft und deren Vielfalt zu erhalten. Lebensräume wie Blühflächen, Hecken, Streuobstwiesen oder Winterbegrünung tragen zur biologischen Vielfalt bei und erhalten so das ökologische Gleichgewicht. Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich gerne an Hermann Willfarth über postselle@aelf-fu.bayern.de