Rückblick Fachtagung Kita- und Schulverpflegung
Richtig gut essen in Kita und Schule

Mädchen blickt durch Schneebesen und Kochlöffel

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Unter dem Motto "Richtig gut essen in Kita und Schule" fand am 6. Juli 2017 am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth die Fachtagung Kita- und Schulverpflegung 2017 statt.

Aus ganz Mittelfranken kamen 100 Teilnehmer aus den Bereichen Kita, Schule und Hauswirtschaft. Die Tagung bot den Teilnehmern nicht nur fachliche Informationen durch Vorträge und Foren, sondern auch eine Plattform zum gegenseitigen Austausch und Vernetzen.
Susanne Dobelke am Rednerpult

Susanne Dobelke

Bayerische Leitlinien Kita- und Schulverpflegung
Susanne Dobelke vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach stellte die Bayerischen Leitlinien Kita- und Schulverpflegung vor, die eine Orientierungshilfe für eine schmackhafte, gesunde und akzeptierte Verpflegung darstellen. Sie ging dabei auf die vier Leitgedanken – Gesundheit, Wertschätzung, Nachhaltigkeit, Ökonomie – ein, die hinter den Leitlinien stehen und eine gute Kita- und Schulverpflegung ausmachen. Des Weiteren gab Susanne Dobelke gleich praktische Tipps für die Umsetzung im Alltag mit. Gedruckte Exemplare der Bayerischen Leitlinien Kitaverpflegung sind ab September erhältlich.
Dr. Esther Gajek, Universität Regensburg

Dr. Esther Gajek

Esskultur im Wandel
Dr. Esther Gajek, Universität Regensburg, nahm mit ihrem Vortrag "Vom Sonntagsbraten bis zum veganen Schnitzel" die Teilnehmer mit auf eine Ernährungszeitreise von etwa 100 Jahren. Sie spannte den Bogen von den Hungersnöten mit Brotstreckung im Ersten Weltkrieg über die Fresswelle während der Wirtschaftswunderzeit bis heute mit dem Trend zu "frei von"-Produkten, also frei von Gluten, Laktose usw.. Neben der Lebensmittelauswahl habe sich auch das Essverhalten an sich in 100 Jahren geändert. Habe es lange Zeit in den Familien feste Essenzeiten gegeben, z. B. 12:30 Uhr Mittagessen oder 18 Uhr Abendessen, gehe das gemeinsame Essen in der Familie zurück. Die heutige Esskultur sei geprägt von "Essen, wenn gerade Zeit ist" (Entchronologisierung des Essens) und mobilem Essen (Snacking).
Tanja Klieber und Gabriele Hofmann jeweils mit Mikrofon in der Hand

Tanja Klieber und Gabriele Hofmann

Frischküche und Free-Flow in der Schulverpflegung
Tanja Klieber, Rektorin der Michael-Ende-Schule, und Gabriele Hofmann von Panino-Catering berichteten von ihrem ersten Jahr nach Mensa-Neubau mit Frischküche und Free-Flow-Ausgabesystem an einer Grundschule. Gleich zu Beginn beantworteten sie die Frage, die am meisten interessierte: Können Grundschüler, vor allem der 1. Klasse, ihr Essen (Art und Menge) selbstständig aus der Ausgabe nehmen, ohne dass Chaos ausbricht? "Ja, das klappt sehr gut", so die beiden einstimmig. Durch den angeschlossenen Hort seien immer Erzieher beim Mittagessen dabei, die die Kinder anleiteten. Eine Evaluierung dieses Systems durch eine Bachelorarbeit habe zudem gezeigt, dass bei den Kindern das Mittagessen durch das "sich selber nehmen dürfen" und den engen Kontakt zum Küchenteam eine hohe Akzeptanz habe.

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmer das Tagungsmotto in drei verschiedenen Foren bzw. einem Kochworkshop:

  • Essen – mehr als Nahrungsaufnahme. Erinnerungen und Emotionen
  • Ernährungsmärchen – Dichtung oder Wahrheit?
  • Gesund und nachhaltig kochen in der Kita – Konzept, Umsetzung, Pädagogik (Praxisbeispiel)
  • Kochworkshop: Es müssen nicht immer Fischstäbchen sein – genussvolle und abwechslungsreiche Fischgerichte für die Kita- und Schulverpflegung

Ansprechpartnerinnen

Kristina Köhler
AELF Fürth
Jahnstraße 7, 90763 Fürth
Telefon: +49 911 99715-303
Fax: 0911 99715-600
E-Mail: poststelle@aelf-fu.bayern.de
Ines Scheckenbach
AELF Fürth
Jahnstraße 7, 90763 Fürth
Telefon: +49 911 99715-301
Fax: 0911 99715-600
E-Mail: poststelle@aelf-fu.bayern.de

Rückblick

Fachtagung Kita- und Schulverpflegung 2016

"Miteinander essen – leben – lernen"

Unter diesem Motto griffen die Veranstalter der gemeinsamen Fachtagung Kita- und Schulverpflegung am 5. Juli 2016 in Fürth die kulturelle Vielfalt an Schulen und Kindertagesstätten auf. Auf dem Menü standen Fachvorträge von hochkarätigen Referenten, Austausch und Vernetzung. Zum zweiten Mal fand die Veranstaltung unter dem gemeinsamen Dach der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung des Fachzentrums Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung Mittelfranken statt. Gut 80 Fachkräfte aus Kitas und Schulen, Essensanbieter, Sachaufwandsträger und weitere Kooperationspartner trafen sich in der Aula des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, um Input, Ideen und aktuelle Erkenntnisse der Verpflegungslandschaft zu erhalten.
Johanna-Elisabeth Giesenkamp spricht zu Zuhörern.
Inklusion durch Schulverpflegung – Essen im Zeitalter von Multikulti
In ihrem Vortrag "Inklusion durch Schulverpflegung" stellte Johanna-Elisabeth Giesenkamp von der Hochschule Osnabrück die Speisevorschriften der fünf größten Religionen in Deutschland vor. Vom Christentum über den Islam und das Judentum hin zu Buddhismus und Hinduismus falle auf, dass im christlichen Glauben bis auf die Fastenzeit kaum Speisevorschriften vorhanden seien. Deshalb falle es uns in Deutschland oft schwer, die Bedeutung dieser für andere Religionen zu verstehen. "Das Weglassen von Schweinefleisch ist schon ein großer Schritt, aber es stellt nur einen Bruchteil der islamischen Speisevorschriften dar", so Giesenkamp.
Auch auf Alkohol, welcher zum Beispiel bei der Gewinnung von Aromen als Auszugsmittel verwendet wird, und Gelatine sollte verzichtet werden. Im Judentum gehe man noch weiter und trenne milchige von fleischigen Speisen. Buddhismus und Hinduismus umfasse unterschiedliche Strömungen, so dass man kaum einheitliche Vorschriften ableiten könne.
Schnell wurde den Teilnehmern bei der Komplexität der Vorschriften klar, dass vieles davon nicht ohne weiteres umsetzbar ist. Giesenkamp riet, direkt mit den betroffenen Familien abzuklären, ob eine derart strenge Umsetzung erforderlich sei. Um allen Religionen gerecht zu werden, müsste man eine vegetarische Linie fahren.
Ingo Barlovic zeigt, worauf es den Kindern beim Mittagessen ankommt.
Lebens- und Erlebniswelt Ernährung – wie ticken eigentlich unsere Kids?
Amüsant ging es im zweiten Vortrag zu, als Ingo Barlovic vom Institut iconkids & youth in München über die speziellen Lebens- und Erlebniswelten der Kinder und Jugendlichen sinnierte. Ist die Kindheit und Jugend von heute wirklich so schlimm, wie in den Medien vielfach beschworen? Die Fakten sähen anders aus: der Alkoholkonsum liege im Durchschnitt unter dem der Jugendlichen aus den 1970er Jahren, außerdem fingen die heutigen Kids damit später an als damals. Auch rauchten sie weniger als ihre Elterngeneration und zum Thema Übergewicht sei gesagt, dass es bedeutend mehr "kräftige" Erwachsene gebe als Kinder und Jugendliche.
Also alles halb so wild? "Nein, denn Kindheit und Jugend prägt ein Leben lang", relativierte Barlovic. Von daher sei ein bewusster und gesundheitsbetonter Lebensstil zu propagieren. Dabei lohne es, sich mit den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen zu beschäftigen und sie dort abzuholen, wo sie stünden – also in ihrer jeweiligen Lebensphase, sei es Disney, Pferde, Autos oder Stars. "Sie bekommen die Kinder viel besser, wenn Sie fragen, wie sich denn ein Manuel Neuer oder eine Helene Fischer ernährt, um so auszusehen und so viel leisten zu können", erklärt Barlovic.
Achten Sie beim Mensaessen außerdem auf Geschmack, Geruch und Aussehen der Speisen – hieran zu drehen lohnt sich, denn dies stuften die Kinder als wichtigstes Kriterium für den Mensabesuch ein.

Foren

Der Forennachmittag bot die Gelegenheit, Themen zu vertiefen, Fragen zu klären und sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.
Forum 1: Koscher, Halal & Co. – Tipps und Tricks für die Mensa
Hier entlockten die Teilnehmer Giesenkamp Tipps und Tricks für die Umsetzung einer Speisenauswahl, die möglichst alle Religionen anspricht. Giesenkamp stellte einen Speiseplan vor, der allen religiösen Vorschriften entspricht. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen ist ein solcher Speiseplan in der Regel vegetarisch gestaltet. Wer in seiner Schulküche ernsthaft koscher oder halal kochen möchte, muss unbedingt auf getrennte Küchenbereiche und -utensilien achten, die dann auch wirklich nur mit den Speisen in Berührung kommen, für die sie jeweils gedacht sind. Prinzipiell ist eine Schulverpflegung, die allen Religionen gerecht wird möglich, wenn einige Regeln bei der Zubereitung beachtet werden und die Lebensmittelauswahl entsprechend erfolgt.
Forum 2: Ruhe bitte! Weniger Lärm im Speiseraum
Peter Hammelbacher vom INQA-Arbeitskreis "Lärm in Bildungsstätten" erläuterte effektive Lärmminderungsmaßnahmen in lauten Mensen. Dabei komme es nicht nur darauf an, Akustikdecken zu verlegen und Filzgleiter und Stühle zu kleben, auch das Material und die Beschaffenheit von Möbeln und Räumlichkeiten trügen zur Lärmentwicklung bei. Insofern sei es gar nicht so einfach, eine Allzwecklösung für alle Schulen und Kitas zu finden, vielmehr müssten Lösungen passgenau auf die jeweiligen Räume zugeschnitten werden. Allen, die effektiv am Lärmpegel ihres Speiseraumes drehen möchten, empfiehlt er eine individuelle Analyse der räumlichen Beschaffenheit.
Stressfalle Verpflegung? – Der richtige Umgang mit Belastungen
Da es in der Verpflegung unserer Kleinen und Kleinsten nicht immer entspannt zugeht, stellte Karin Straußberger-Christoph vom Institut "Einblick" in Fürth Methoden zum Umgang mit Herausforderungen und Belastungen vor. Anhand des SORK-Schemas (Stressoren - Wirkung auf den Organismus - Stress-Reaktionen - Konsequenzen) erklärte sie die Funktionsweise der individuellen Stressanalyse. Daneben verriet sie, wie sich der Alltag mit einfachen Methoden erleichtern und entschärfen lässt. Ob Achtsamkeitsübungen, tiefes Atmen, Rückwärtszählen von 30 oder einfach nur viel Trinken, die Möglichkeiten seien so vielseitig wie einfach und schnell durchzuführen.
Praxis-Workshop: Schluss mit PiPaPo – Gesunde Gerichte, die ankommen
Einen praktischen Input zu gesunden Gerichten, die bei den Kids gut ankommen, lieferte der Kochworkshop von Helga Raab, der parallel zu den Foren am Nachmittag stattfand. Hier wurde geschnippelt, geknetet, gerührt und auch geschwitzt – das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Die Gerichte reichten von Maultaschenauflauf über Falafel mit Minzsoße und Fladenbrot hin zu Blumenkohlkuchen und Karotten-Orangen-Drink. Am Ende durften es sich die Teilnehmer schmecken lassen und waren sich einig: "Das probieren wir mal bei uns in der Einrichtung". Raab belieferte selbst jahrelang Kitas und Schulen mit frisch gekochten Leckereien und stellte in ihrem Workshop die beliebtesten Gerichte jenseits von Pizza, Pasta und Pommes vor.